Windkraft in Halver: Ausschuss diskutiert über neue Anlagen

Blick auf Windrad an dem noch die Rotorblätter fehlen

Windkraft in Halver: Wo es langgeht

Am 30. September 2026, tagte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung. Im Mittelpunkt standen die Planungen für neue Windenergieanlagen in Halver. Die Mehrheit aus SPD, Grünen und UWG hat den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien empfohlen. Insgesamt sind elf neue Anlagen an drei Standorten vorgesehen.

Am weitesten fortgeschritten ist das Projekt nördlich von Glörfeld. Hier wurde der Feststellungsbeschluss für drei Windenergieanlagen gefasst. Geplant sind zwei Anlagen vom Typ Enercon E-175 und eine E-160 mit Gesamthöhen von bis zu 249,5 Metern. Zusammen sollen sie rund 43 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen. Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist hier bereits erfolgt, eine Bürgerversammlung fand im Mai 2025 statt.

Für zwei weitere Gebiete startete das Verfahren nun offiziell. Westlich von Schwenke, im Bereich des ehemaligen Munitionsdepots, sollen nach Plänen der Mark-E vier Anlagen entstehen. Die Flächen umfassen rund 17 Hektar. Die nächsten Wohngebäude in Schwenke liegen etwa 520 Meter entfernt. Auch östlich von Anschlag sind vier weitere Anlagen geplant. Hier liegen die nächsten Wohnhäuser rund 510 Meter entfernt in Hagebüchen. Für beide Standorte sind weitere Umweltprüfungen und Bürgerversammlungen im weiteren Bauleitplanverfahren vorgesehen. Der Rat der Stadt Halver wird am 12. Oktober 2026 über die Aufstellungsbeschlüsse für die geplanten Anlagen am Munitionsdepot sowie in der Nähe Anschlags entscheiden. Ein Aufstellungsbeschluss ist der erste formelle Schritt im Bauleitplanverfahren. Er legt fest, ob ein Vorhaben wie die Windenergieanlagen in Halver überhaupt weiter verfolgt und grundlegende Detailinformationen wie die Analysen möglicher Auswirkungen auf Menschen und Umwelt eingeholt werden sollen.

Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung
Unsere Ausschussmitglieder Uwe Leinung und Philipp Donat

Zwischen Fortschritt und Blockade

Die Abstimmungen im Ausschuss zeigten ein klares Bild. Während Grüne, SPD und UWG die Notwendigkeit der Energiewende betonen, lehnte die CDU die Vorhaben ab. Bei den Aufstellungsbeschlüssen für Schwenke und Anschlag stimmten alle vier CDU-Mitglieder sowie zwei AfD-Vertreter gegen die Planung.

Die Argumente der CDU im Ausschuss waren dabei kaum von den üblichen „Windräder verschandeln unsere Landschaft-Argumenten“ der AfD zu unterscheiden. Zudem forderten einzelne Ausschussmitglieder der CDU teure Gutachten bereits vor dem Aufstellungsbeschluss. Der Kämmerer der Stadt, Simon Thienel, stellte jedoch klar, dass dies unwirtschaftlich sei. Man dürfe nicht Tausende Euro für Überprüfungen ausgeben, bevor überhaupt ein Planungsrecht besteht, da diese Themen ohnehin im späteren Verfahren geprüft werden.

Windparks zu diesem Zeitpunkt der Planung grundsätzlich abzulehnen, wird dem Dilemma, in dem Halver steckt, nicht gerecht. Wir brauchen grünen Strom und die möglichen Einnahmen aus der Windkraft. Gleichzeitig aber stellt der Bau der Anlagen einen Eingriff in die Lebensräume dar und auch die Sorgen der Anwohnenden müssen gehört werden. All das wird im Laufe des Verfahrens geschehen, weil dann alle Fakten und Ansichten auf den Tisch kommen. Wer dieses Verfahren jetzt blockiert, verzögert die Energiesicherheit für unsere Region.

Ortsschild Halver Schwenke
Diskussion: Wird es bald konkrete Planungen für Windkraftanlagen auf dem ehemaligen Munitionslager bei Schwenke geben?

Warum Windkraft für Halver gewinnt

Der Ausbau der Windenergie ist mehr als nur Klimaschutz. Er ist ein Gewinn für die lokale Wirtschaft und die Energiesicherheit. Grüner Strom von hier macht uns unabhängig von fossilen Importen und Preisschocks an der Zapfsäule. Gerade mit dem steigenden Bedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität ist ein stabiler Mix aus erneuerbaren Energien unverzichtbar.

Auch finanziell profitiert Halver direkt. Seit 2021 verpflichtet das Erneuerbare-Energien-Gesetz Projektierer dazu, Kommunen im Umkreis von 2,5 Kilometern mit 0,2 Cent pro Kilowattstunde zu beteiligen. Bei einer Jahreserzeugung von 43 Millionen Kilowattstunden allein in Glörfeld wären das erhebliche Summen, die in den städtischen Haushalt fließen. Dazu kommt die Gewerbesteuer: 90 Prozent davon verbleiben im Falle der Glörfeld-Anlagen in der Standortkommune. Diese Einnahmen können wir für Schulen, Kitas oder den Bürgerbus verwenden. Regionale Wertschöpfung statt Abfluss von Geldern für Energieimporte – das ist Kommunalpolitik mit Zukunft.

Naturschutz und Windkraft sind dabei kein Entweder-oder. Belange von Mensch und Natur müssen sorgsam abgewogen werden. Genau das wird im weiteren Verfahren gemacht.

Das gab es sonst noch im Ausschuss

Neben dem Thema Windenergie wurden weitere Punkte beraten. Der Antrag der Grünen für ein quartiersbezogenes Nah- und Kaltwärmenetz im Gebiet Herksiepe-Schillerstein wurde diskutiert. Die Verwaltung kam nach Prüfung mit ENERVIE und den Stadtwerken zum Ergebnis: Technisch sei es grundsätzlich möglich, derzeit gebe es aber kein belastbar wirtschaftliches Modell. Mehr zum Thema kannst du hier nachlesen.

Zudem standen Entscheidungen über mögliche neue Wohn- und Gewerbeentwicklungsflächen sowie ein ISEK-Antrag der UWG auf der Tagesordnung. ISEK steht für Integriertes Stadtentwicklungskonzept. Es ist ein strategischer Plan, der Ziele und Maßnahmen für die Entwicklung eines Stadtteils oder Quartiers festlegt. Diese Themen sind wichtig für die Stadtentwicklung, treten im Schatten der Windkraft-Debatte jedoch etwas in den Hintergrund.

Gemeinsam gestalten

Die Diskussionen im Ausschuss betrafen wichtige Entscheidungen für die Zukunft von Halver. Lokale Demokratie lebt davon, dass wir uns einmischen und Prozesse verstehen. Am 12. Oktober entscheidet der Stadtrat endgültig über die Aufstellungsbeschlüsse für Schwenke und Anschlag.

Hast du Fragen zu den Windkraftplanungen oder möchtest du dich aktiv für Klimaschutz in Halver einsetzen? Wir laden dich ein, mit uns ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam können wir die Energiewende vor Ort gestalten und sicherstellen, dass sie den Menschen dient. Melde dich gerne bei uns oder besuche unsere nächsten Veranstaltungen.