Warum wird über den Regionalplani für den Märkischen Kreis erneut diskutiert? Wir erklären dir die Hintergründe der aktuellen Debatte und zeigen, warum wir in Halver keine weiteren Gewerbeflächen auf der grünen Wiese brauchen.
Für uns als Grüne in Halver ist das mehr als nur ein verwaltungstechnischer Vorgang. Es geht um Verlässlichkeit, um den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen und um die Frage, wie wir in Halver wirklich zukunftsfähig wirtschaften und leben wollen. Wir nehmen dich mit in die Hintergründe dieser Diskussion und zeigen auf, warum wir glauben, dass der Weg nicht über weitere Versiegelung führen muss.
Was ist eigentlich ein Regionalplan?
Bevor wir in die aktuelle Aufregung einsteigen, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Instrument selbst. Vielleicht hast du den Begriff schon gehört, aber was bedeutet er konkret für dich und für Halver? Ein Regionalplan ist kein Bebauungsplani für dein einzelnes Grundstück. Er ist eine übergeordnete Karte für die gesamte Region.
Stell dir die Planung wie eine Treppe vor: Ganz oben steht der Landesentwicklungsplan von Nordrhein-Westfalen. Er gibt die großen Leitlinien vor – etwa den Schutz von Natur und Landschaft oder die Sicherung von Rohstoffen. Der Regionalplan ist die Stufe darunter. Er macht diese Vorgaben für unsere Region konkret. Also zum Beispiel für den Märkischen Kreis, den Kreis Olpe und Siegen-Wittgenstein. Er legt fest, wo Städte und Dörfer wachsen dürfen und wo Vorranggebiete für die Natur, die Landwirtschaft oder den Klimaschutz sind. Erst auf der untersten Ebene kommen dann die Kommunen mit ihren Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen ins Spiel. Eine Stadt wie Halver kann also nicht völlig frei entscheiden, wo ein großes neues Gewerbegebiet entsteht. Die Planungen müssen mit den Zielen der Regionalplanung vereinbar sein. Gleichzeitig wirken wir als Kommune aber auch mit. Wir können Wünsche und potenzielle Flächen in das Verfahren einbringen. Genau hier setzt die aktuelle Diskussion an.
Warum diskutieren wir das schon wieder?
Die Situation ist tatsächlich etwas verwirrend, und das liegt an einer Neuordnung auf höherer Ebene. Bisher galten für unsere Region und die Nachbarregionen unterschiedliche Teilpläne. Für den Märkischen Kreis, Olpe und Siegen-Wittgenstein galt seit 2025 der Teilplan MK-OE-SI. Für den Hochsauerlandkreis und den Märkischen Kreis gelten bisher unterschiedliche Regionalpläne.
Das Ziel der Landesplanung ist es nun, diese Werke zusammenzuführen. Unter dem neuen Leitmotiv „Eine Region – ein Plan“ entsteht ein gemeinsamer Regionalplan für Südwestfalen. Der Regionalrat hat dazu am 19. März 2026 die Regionalplanungsbehörde beauftragt, mit den Arbeiten zu beginnen. Das klingt nach sinnvoller Verwaltungsvereinfachung. Das Problem aus unserer Sicht ist jedoch der Umgang mit dem Bestand.
Der Regionalplan für den Märkischen Kreis ist erst seit März 2025 in Kraft. In diesem Plan wurden viele Konflikte mühsam gelöst. Mit der Aufstellung des neuen Gesamtplans werden diese Erfolge nun wieder infrage gestellt. Diskussionen, die wir glaubten abgeschlossen zu haben, beginnen von vorn. Für die Planungssicherheit von Bürgerinnen und Bürgern sowie für den Schutz bereits bewahrter Naturflächen ist das ein ärgerlicher Rückschritt.
Schon beim geplanten Neubaugebiet Herksiepe-Schillerstein konnte die Verwaltung den Bedarf nicht schlüssig begründen. Daher können wir umso weniger nachvollziehen, dass mit den Flächen in der Goethestraße und an der Heerstraße nun zwei weitere Baugebiete angemeldet wurden. Die weitergehende Bebauung der Fläche am Umspannwerk lehnen wir ebenfalls ab.
Alte Streitfragen auf der grünen Wiese
Ein konkretes Beispiel macht die Problematik deutlich: Oeckinghausen-Süd. Die Geschichte dieses Gebiets reicht einige Jahre zurück. Bereits im ersten Entwurf von 2021 tauchte südlich der B229 ein rund 21 Hektar großes interkommunales Gewerbegebiet auf. Davon sollten etwa fünf Hektar auf Halver entfallen. In Halver löste das eine intensive Debatte aus. Der Rat lehnte Oeckinghausen-Süd damals einstimmig als interkommunales Gewerbegebiet ab und setzte stattdessen auf die Entwicklung von Leifersberge.
Nun stand die Fläche wieder auf der Tagesordnung. Die Stadtverwaltung wollte südlich von Oeckinghausen eine Fläche von 5,7 Hektar als Gewerbefläche beim Märkischen Kreis und der Bezirksregierung anmelden. Dafür wäre die Zustimmung des Rates in seiner Sitzung am 12. Oktober 2026 erforderlich gewesen – die zum Glück nicht erteilt wurde. Es handelte sich dabei zwar zunächst „nur“ um eine Meldung als Potenzialfläche für künftige Werkstattgespräche. Dennoch war dieser Schritt für uns unverständlich und unnötig: Hart erkämpfte Erfolge wie die damalige Ablehnung scheinen obsolet zu werden, obwohl sich die Umstände nicht grundlegend geändert haben. Halver braucht kein neues Gewerbegebiet auf der grünen Wiese. Unser neuestes Gebiet ist noch nicht einmal voll vermietet, geschweige denn vollständig fertiggestellt. Warum sollten wir also weitere Flächen ausweisen, bevor wir das Vorhandene nutzen?
Warum wir keine neuen Flächen brauchen
Auch beim Bauland zeigt die Rechnung Lücken auf. Sollte das umstrittene Baugebiet Herksiepe-Schillerstein so fertiggestellt werden, wie aktuell geplant, hat Halver aktuellen Berechnungen zufolge bereits 1 Hektar Bauland zu viel verbraucht. Selbst wenn wir eine Planungsreserve von 20 Prozent hinzurechnen, kommen wir nicht über Null. Das heißt: Halver braucht keine neuen Potenzialflächen für Wohnen.
Die Argumente für neue Flächen werden oft mit dringendem Bedarf begründet. Doch wenn wir auf die Zahlen und die langfristige Entwicklung schauen, ergibt das Bild einen anderen Zusammenhang. Ein zentraler Punkt ist der demografische Wandel. Halver wird langfristig schrumpfen. Die Baby-Boomer-Generation wird in den kommenden Jahren ihre Häuser aufgeben. Außerdem werden innenstadtnah an mehreren Orten neue Mehrfamilienhäuser – ganz neu auch auf dem alten Wippermanngelände – entstehen. Wir stellen deshalb infrage, dass wir den bisherigen Bedarf an Entwicklungspotenzial einfach fortschreiben können. Laut aktueller Prognose von it.nrw für den Zeitraum 2024 bis 2050 soll die Bevölkerungszahl in der Stadt Halver um gut 9 Prozent abnehmen. Demnach wird bis 2050 eine Zahl von etwa 14.880 erwartet.
Ein weiteres gewichtiges Argument ist der Klimaschutz. Die ausgewählten Flächen sind wirklich alle wichtig für die Bildung von Kalt- und Frischluft und somit für die Belüftung der Stadt. Wenn wir sie zubauen, wird Halver in heißen Sommernächten weniger gut abkühlen. Die Auswahl der Flächen erfolgte aus unserer Sicht nicht konsequent mit Blick auf die lokalen Klimadaten, obwohl dieses Wissen etwa vom LANUK zur Verfügung steht. Stadtentwicklung sollte nicht weiter funktionieren wie vor 40 Jahren.
Was heißt das nun konkret für Halver? Neben der bereits erwähnten Ablehnung des neuen Industriegebiets in Oekinghausen aus Grüner Sicht erfreulich: Für den Antrag, das Ökogebiet „von der Quelle bis zur Mühle“ in den Regionalplan aufzunehmen, gab es keine Gegenstimmen. Aus unserer Sicht hingegen unnötig sind diverse „Potenzialflächen“ für Wohnbebauung: Das Grünland zwischen Goethestraße und Friedhof (vier Gegenstimmen von uns Grünen), das Gebiet zwischen Umspannwerk bis runter zum Wald (vier Gegenstimmen von uns Grünen) sowie die Eweiterung des Wohngebietes an der Heerstraße (vier Gegenstimmen von uns Grünen).
Unsere Vision für ein lebenswertes Halver
Kritik zu üben ist einfach, aber wir haben auch konkrete Vorstellungen, wie es besser geht. Unsere Lösung lautet: Alle Energie und Mittel in Dinge stecken, die Halver wirklich lebenswert machen. Statt neuer Gewerbegebiete auf der Wiese sollten wir in innovative Projekte für erneuerbare Energien investieren. Photovoltaik auf allen öffentlichen Gebäuden ist hier ein naheliegender Schritt.
Wir brauchen Wirtschaftszweige mit Weitblick, die nicht auf Flächenverbrauch setzen, sondern auf Innovation und nachhaltige Nutzung. Zudem geht es um ein inklusives Miteinander durch mehr Mitmach-Angebote für Menschen jeden Alters und jeden kulturellen Hintergrunds. Investitionen in modern ausgestattete Schulen sowie in Parks und Straßen, in denen man es auch bei Hitze gut aushalten kann, schaffen eine höhere Lebensqualität als jedes neue Baugebiet.
Wie Sina Löschke von unserer Ratsfraktion sagt: „Politik muss verlässlich sein und muss zu ihrem Wort stehen.“ Verlässlichkeit ist ein hohes Gut, besonders in der Lokalpolitik. Wenn Entscheidungen getroffen wurden, sollten wir dabei bleiben, solange sich die Rahmenbedingungen nicht fundamental ändern. Das gilt für den Regionalplan ebenso wie für konkrete Bauvorhaben wie Herksiepe-Schillerstein, zu dem wir bereits unsere Position dargelegt haben.
Gemeinsam für eine nachhaltige Entwicklung
Die aktuelle Debatte um den Regionalplan zeigt: Es geht um die Weichenstellung für die nächsten 15 Jahre. Wollen wir weiter Flächen verbrauchen und alte Muster wiederholen, oder wollen wir eine Stadt entwickeln, die klimagerecht, sozial und wirtschaftlich stark ist, ohne die Natur zu opfern?
Wir laden dich ein, dich mit deiner Meinung einzubringen. Politik findet nicht nur im Ratssaal statt, sondern auch im Gespräch untereinander. Wenn du Fragen zu den Plänen hast, deine Sorgen teilen möchtest oder Ideen hast, wie wir Halver nachhaltig gestalten können, melde dich gerne bei uns. Wir freuen uns über den Austausch. Du kannst diesen Beitrag auch teilen, damit mehr Menschen in Halver informiert sind. Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass Politik verlässlich bleibt und Halver nachhaltig entwickelt wird.




