Wenn die Schüler*innen der Regenbogenschule in Halver nach den Sommerferien wieder in die Schule kommen, erwartet sie eine ungewohnte Situation. Der vertraute Pausenhof ist nicht mehr wie gewohnt nutzbar, da dort umfassende Bauarbeiten stattfinden. Für die Kinder bedeutet das zunächst: Ausweichen auf andere Flächen. Doch hinter dieser Baustelle steckt mehr als nur eine Sanierung. Es geht um Klimaschutz, die Anpassung an den Klimawandel und ein besseres Lernumfeld.
Pause mal anders: So läuft der Alltag während der Bauzeit
Die Stadt Halver hat Lösungen für die Zeit der Umbauarbeiten vorbereitet. Dabei standen nach Angaben der Stadt vor allem die Sicherheit und die pädagogische Nutzbarkeit der Ersatzflächen im Vordergrund. So wird der Parkplatz des Lehrpersonals vorübergehend als Ersatzschulhof genutzt. Diese Lösung war bereits zu Beginn der Bauarbeiten im Gespräch und steht nun fest.
Auch die Offene Ganztagsschule (OGS) weicht aus und nutzt während der Bauzeit den öffentlichen Spielplatz vor dem Haupteingang des Schulgebäudes. Zusätzlich soll der kleine Innenhof vor dem Foyer noch während der Sommerferien fertiggestellt werden, sodass dieser Bereich anschließend von den Schüler*innen genutzt werden kann. Damit stehen trotz der Baustelle mehrere Flächen für Pausen und Betreuung zur Verfügung, damit der Schulalltag weitgehend unverändert fortgesetzt werden kann.
920000 Euro: Warum sich Halver das leisten kann und sollte
Die Notwendigkeit für diese Ersatzflächen liegt am umfangreichen Umbau des bisherigen Schulhofs, der bereits vor den Sommerferien begonnen hat. Insgesamt investiert die Stadt rund 920 000 Euro in die Neugestaltung des Geländes. Der Eigenanteil der Stadt beträgt dabei übrigens „nur“ 184.497,60 Euro. Der Rest wird gefördert durch das Programm „Klimaanpassungsrichtlinie“.
Dabei geht es nicht nur um neue Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten. Ein Schwerpunkt liegt darauf, die bislang stark versiegelte Fläche klimafreundlicher zu gestalten. Geplant sind mehr als 20 neue Bäume, die künftig für zusätzlichen Schatten sorgen sollen. Hinzu kommen Sonnenschutzmöglichkeiten sowie neue Aufenthaltsbereiche. Nach den bisherigen Planungen sollen die Arbeiten voraussichtlich bis zum Frühsommer 2027 abgeschlossen sein.
Das Beispiel Schulhof zeigt jedenfalls: Auch finanzschwache Kommunen können mit der richtigen Prioritätensetzung und den Fördermitteln von Bund oder Land die richtigen Veränderungen vorantreiben. Und das auch, wenn sie erst einmal ziemlich viel Geld kosten. Jetzt notwendige Klimanpassungsmaßnahmen durchzuführen ist billiger als später für die schweren Schäden aufzukommen. Darum verweisen wir immer wieder auf diese Fördertöpfe, wissen aber auch, dass selbst der Eigenanteil schwer aufzubringen ist. Aber: Eine neue Regelung erlaubt es, dass Städte selbst den Eigenanteil aus dem Sondervermögen des Bundes decken können. Am Ende kommt es also nur auf die richtige Prioritätensetzung an, also den Willen etwas zu ändern oder nicht. Oder anders ausgedrückt: Klimaanpassung und Investitionen in Hitzeschutz oder alles Geld in den Straßenbau.
Die Schule als Schwamm: Schutz vor Hitze und Starkregen
Ein zentrales Element der Planung ist das sogenannte Schwammstadt-Prinzip. Aber was bedeutet das eigentlich? In der Stadtplanung bezeichnet dieser Begriff ein Konzept, bei dem Regenwasser nicht einfach über die Kanalisation in Kläranlagen abgeleitet wird. Stattdessen wird es zwischengespeichert, vor Ort versickert oder verdunstet. Eine Schwammstadt kann Wasser also „wie ein Schwamm“ aufnehmen, wenn viel vorhanden ist, und es zeitverzögert wieder abgeben.
Das ist wichtig, weil bei Starkregen die Kanalisation oft nicht das gesamte Wasser aufnehmen kann. In dicht bebauten und stark versiegelten Städten läuft das Wasser dann unkontrolliert an der Oberfläche ab, was zu lokalen Überflutungen führen kann. Gleichzeitig gibt es immer häufiger lange Hitze- und Dürrephasen, in denen Wasser – zum Beispiel für Stadtbäume – fehlt.
Durch die Entsiegelung und Begrünung an der Regenbogenschule soll der Schulhof langfristig besser auf Hitze und Starkregen vorbereitet werden. Flächen werden entsiegelt, damit Regenwasser künftig stärker vor Ort aufgenommen werden kann, anstatt unmittelbar über die Kanalisation abzufließen.
Im Plan enthalten ist auch eine Regenwasserzisterne. Sie sammelt Regenwasser vom Dach der Schule, sodass in Zeiten, in denen Bäume und Grünflächen bewässert werden müssen, zunächst einmal kein Trinkwasser aus der Leitung verwendet werden muss.
Grüner Lernen: Warum die Qualität des Hofes zählt
Ein Schulhof ist mehr als nur ein Platz zum Laufen. Er ist ein multifunktionaler Lebensraum für Schüler*innen: Er dient als Erholungs- und Lernort, als Erlebniswelt, Kommunikationsort sowie als Ort für Spiel, Sport und Bewegung. Als Freifläche mit hohem Grünanteil besitzt er zudem einen großen stadtökologischen Wert.
Außenanlagen mit viel Grün fördern ein gesundes Klima und eine erholsame Atmosphäre. Während Schulhöfe früher oft große, versiegelte Verkehrs- und Aufenthaltsflächen waren, entwickeln sie sich nun zu Grünanlagen, die für den Klimawandel gerüstet sind. Begrünung bedeutet hier konkret: Schattenbildung, Lärm- und Immissionsschutz sowie die Schaffung von Lebensräumen für Tiere, Vögel und Insekten. Auch die Staubbindung und die Förderung von Erholungs- und Entspannungseffekten spielen eine Rolle.
Ein Schritt für ein lebenswertes Halver
Die Umgestaltung der Regenbogenschule ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Klimaanpassung vor Ort aussehen kann. Aus unserer Sicht als Grüne in Halver sind Entsiegelung und Begrünung nicht nur an Schulen wichtig, sondern an vielen Stellen in unserer Stadt. Eine Stadt, die Wasser speichern kann und mehr Grünflächen bietet, wird widerstandsfähiger gegen Extremwetter, was allen Bewohner*innen zugutekommt. Wir setzen uns dafür ein, dass solche Maßnahmen Teil einer Gesamtstrategie werden, denn Klimaschutz beginnt direkt vor unserer Tür.
Hast du Fragen zu den Baumaßnahmen oder Ideen, wie weitere Flächen in Halver klimagerecht gestaltet werden könnten? Wir freuen uns auf den Austausch mit dir. Schreib uns gerne eine Nachricht oder komm auf uns zu, wenn du dich einbringen möchtest.
Quellen
- Grün macht Schule – Fit für den Klimawandel (www.gruen-macht-schule.de)
- Was ist eigentlich … Schwammstadt? | Deutsches Institut für Urbanistik (difu.de)
