Die Hitze der letzten Wochen ist nicht nur ein Gefühl. Sie ist messbar, sichtbar und spürbar in unserem Alltag. In den letzten Tagen haben wir verschiedene Zeitungsartikel gesammelt, die alle dasselbe Thema aufgreifen: Die Trockenheit und die hohen Temperaturen erreichen auch unseren Raum. Was oft als globales Problem diskutiert wird, zeigt sich hier konkret in Halver, im Märkischen Kreis und in der Nachbarschaft. Die Berichte stammen aus dem Altenaer Kreisblatt, dem Allgemeinen Anzeiger und der Meinerzhagener Zeitung. Sie liefern uns Fakten, die wir nicht ignorieren können.
Ein trockener Juli wie noch nie
Beginnen wir mit den harten Zahlen. Der Wupperverband hat an der Bever-Talsperre eine historische Messung verzeichnet. Der Juli dieses Jahres war der trockenste seit Aufzeichnungsbeginn. Die Aufzeichnungen reichen bis Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. An der Messstation fielen nur 12 Liter Regen pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert liegt bei 79 Litern. Das ist ein deutlicher Unterschied. Auch an weiteren Stationen in Lindscheid, Buchenhofen und Burg war es so trocken wie nie zuvor.
Der Deutsche Wetterdienst hat in Nordrhein-Westfalen 262 Sonnenstunden gemessen. Im Schnitt sind es 187 Stunden. Diese hohe Sonneneinstrahlung führt zu einer starken Verdunstung. Das Wasser, das ohnehin knapp ist, verdunstet schneller, als es nachkommen kann. Der Wupperverband fasst es so zusammen: Es hat nicht nur historisch wenig geregnet, auch gab es viele Sonnenstunden. Durch hohe Verdunstung hat dies die Trockenheit noch verstärkt.
Landwirtschaft unter Druck
Was bedeutet das für die Menschen, die hier leben und arbeiten? Landwirte berichten von direkten Folgen. Thomas Wiethege und Henning Wolf aus Halver schildern ihre Situation. Für Milchkühe ist es bereits ab 20 Grad zu warm. Die Tiere suchen Schutz im Stall. Wiethege nutzt Ventilatoren und Wasserzerstäubung zur Kühlung. Das geht an die Reserven. Die Milchproduktion kann sinken, wenn die Tiere unter Hitze leiden und weniger trinken.
Auch die Futterreserven sind betroffen. Die ersten beiden Grasschnitte waren sehr gut. Der dritte und vierte Schnitt fiel deutlich geringer aus. Auf den Weiden ist kaum noch vernünftiges Futter vorhanden. Deshalb wird bereits Silage verfüttert, die eigentlich für kältere Monate gedacht war. Henning Wolf rechnet bei Kartoffeln mit einem Drittel weniger Ertrag. Bei Ackerbohnen sind die Körner kleiner als gewöhnlich. Er sagt: Man kann sich nicht richtig darauf einstellen.
Reiner Grafe aus Kierspe beschreibt die Lage für die Tiere noch deutlicher. Die Milchproduktion ist um rund zehn Prozent gesunken. Er sagt: Die Tiere leiden enorm. Wir Menschen gehen abends duschen, eine Kuh muss so klarkommen. Der Wasserverbrauch steigt bei zunehmender Hitze, während der Grundwasserspiegel sinkt. Grafe befürchtet, dass eines Tages nur noch heiße Luft aus dem Brunnen kommt. Er sieht den Klimawandel als unterschätzt an.
Gefahr im Wald und in der Stadt
Die Trockenheit birgt auch akute Gefahren. Am 16. August 2026 brach ein Großbrand im Wald aus. Das Altenaer Kreisblatt berichtete über den Brand am Brachtenbecker Weg in Altena. Eine Fläche von 18.000 Quadratmetern wurde zerstört. Rund 250 Einsatzkräfte aus verschiedenen Regionen waren im Einsatz. Kai Spelsberg, Einsatzleiter der Altenaer Feuerwehr, sagte: Innerhalb von Minuten hat sich das Feuer ausgebreitet. Die Ursache ist vermutlich eine weggeworfene Zigarette, aber nicht abschließend ermittelt. Durch Windböen sind die Flammen den Hang hinaufgedrückt worden.
Auch in Halver selbst ist das Stadtklima betroffen. Sina Löschke von Bündnis 90/Die Grünen hat die Situation vor Ort untersucht. Sie kritisiert die Gefährdung alter Bäume durch den Neubau der Wohnungsgesellschaft Halver-Schalksmühle auf der ehemaligen Ponywiese. Mit einer Wärmebildkamera demonstrierte sie die kühlende Wirkung der Bäume. Die Messung zeigte Oberflächentemperaturen von über 40 Grad auf sonnenbeschienenem Boden. Im Schatten lagen die Temperaturen bei 18 bis 20 Grad. Der höchste auf der Aufnahme angezeigte Wert lag bei 44,6 Grad.
Die Diskussion um die Bäume ist komplex: Durch den Neubau der WHS wurde die Hälfte der Baumkronen zurückgeschnitten und die Wurzeln der Bäume an der Ponywiese gekappt. Die WHS-Geschäftsführung verweist auf die trockene Witterung, doch ohne diese Eingriffe wären die Bäume nicht so stark gefährdet. Wichtig ist auch die Zeit, die Bäume zum Wachsen brauchen. Löschke betont, dass Ersatzpflanzungen 80 bis 120 Jahre benötigen, um die Funktion alter Bäume zu übernehmen. Sie sagt: Stadtentwicklung bedeutet auch, über Begrünung nachzudenken. Wenn die Wurzeln kein Wasser und keine Luft mehr bekommen, ist das Problem da.
Umgang im eigenen Garten
Was können wir im Kleinen tun? Zwei Gartenexperten aus Halver geben Ratschläge. Kevin Mittag und Mario Milk warnen vor falschen Maßnahmen. Oberflächliches Gießen schadet mehr, als es nutzt. Es ist besser, den Boden gründlich zu durchnässen. Der beste Zeitpunkt ist der Abend oder der frühe Morgen. Die Mittagshitze ist ungeeignet. Ein brauner Rasen kann sich von selbst erholen. Ein längerer Rasen beschattet den Boden stärker.
Milk rät von Neuanpflanzungen ab. Diese sollten nach Möglichkeit bis zum Herbst warten. Kübel- und Balkonpflanzen sind aufgrund des begrenzten Wurzelraums anfälliger. Pflaster- und Schmucksteine können sich stark aufheizen und Wärme abgeben. Die Vorbereitung eines bestehenden Gartens auf eine solche Hitzewelle sei nicht möglich. Milk sagt: Das war jetzt so ein Extrem, da eine Antwort drauf zu finden, das ist Glaskugelgucken. Gerade passiert natürliche Selektion.
Was bleibt?
Die Berichte der letzten Tage zeigen ein klares Bild: Hitze und Trockenheit sind kein abstraktes Schreckgespenst mehr. Beide Wetterextreme verstärken sich gegenseitig in ihren Auswirkungen – man spricht hier von kumulativen Effekten. Hitze allein ist schon belastend, doch wenn langanhaltende Trockenheit dazukommt, werden die Folgen noch schwerwiegender und die Anpassung an die veränderten Bedingungen umso schwieriger. Die Zahlen an der Bever-Talsperre, die Berichte der Landwirte und die Messungen im Stadtbild passen zusammen. Es geht nicht darum, Angst zu machen. Es geht darum, die Realität zu sehen. Wenn alte Bäume gefährdet sind, wenn Kühe im Stall bleiben müssen und wenn Waldbrände schneller entstehen, dann sind das Signale.
Die Anpassung an diese Verhältnisse ist notwendig. Das betrifft die Stadtplanung genauso wie den Umgang mit Wasser im eigenen Garten. Die Erhaltung bestehender Natur ist wichtiger als spätere Ersatzmaßnahmen. Denn 80 Jahre Wartezeit für neue Bäume können wir uns nicht leisten. Die Fakten liegen vor. Sie stammen aus den Medien, aus Messungen und aus den Gesprächen mit den Menschen vor Ort. Es gilt, diese Informationen ernst zu nehmen und zu verstehen, was sie für Halver bedeuten.
