In Halver und Schalksmühle sehen viele von uns volle Supermarktregale, gut gefüllte Einkaufswagen und den wöchentlichen Großeinkauf als Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig gibt es Menschen, für die genau das unerreichbar ist. Steigende Kosten, zu wenig Einkommen, plötzliche Schicksalsschläge – und am Ende wird es sogar beim Essen knapp. Hier kommt die Tafel Schalksmühle und Halver ins Spiel.
In der neuen Folge vom Grünfunk Halver erzählen Astrid und Lea Lehmann, wie sie gemeinsam mit einem kleinen Team seit vielen Jahren dafür sorgen, dass niemand vergessen wird. Zusammen mit René und Martin sprechen sie darüber, wie ihre Arbeit entstanden ist, wie die Tafel funktioniert und warum es weit mehr ist als „nur“ Lebensmittel verteilen.
Wie Tafelarbeit funktioniert – ganz praktisch
Was viele nicht wissen: Tafeln retten Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden – obwohl sie noch einwandfrei sind. Banane mit ein paar Flecken, krumme Gurke, aufgerissene Verpackung, Ware kurz vor oder knapp über dem Mindesthaltbarkeitsdatum: All das gehört bei der Tafel Schalksmühle und Halver zum Alltag.
Jeden Morgen fahren ehrenamtliche Teams mit mehreren Fahrzeugen zu insgesamt 14 Märkten. Dort sortieren sie vor Ort, laden Obst, Gemüse, Brot und andere Lebensmittel ein und bringen sie in die Tafel-Räume. Ein Teil wird direkt in Schalksmühle gelagert, ein anderer Teil in Halver. Von dort aus werden Kisten gepackt und an rund 700 bedürftige Menschen aus beiden Kommunen verteilt.
Wer zur Tafel kommt – und warum das nichts mit „Schuld“ zu tun hat
Das Bild von „der Tafel“ ist oft noch von Klischees geprägt: Menschen, die „ganz unten“ sind, Obdachlosigkeit, gescheiterte Lebensläufe. Die Realität, von der Astrid und Lea erzählen, sieht anders aus. Zu ihnen kommen:
- Bürgergeld- und Sozialhilfeempfänger:innen,
- Menschen mit geringer Rente,
- Familien mit niedrigen Einkommen,
- Personen, die durch Schulden oder Krisen in eine Notlage geraten sind.
Viele schämen sich zunächst, überhaupt Hilfe zu suchen. Genau hier beginnt die zweite, oft unsichtbare Seite der Tafelarbeit: Zuhören, ernst nehmen, Mut machen. Bei der Tafel gibt es nicht nur eine Kiste mit Nudeln und Reis, sondern auch ein offenes Ohr und Unterstützung, wenn die Situation aus dem Ruder läuft – bis hin zu Hilfe bei Trennung, Neuanfang oder der Suche nach weiteren Anlaufstellen.
Ehrenamt mit Profi-Strukturen – und hohen Kosten
Was nach „ein bisschen Ehrenamt“ klingt, ist längst ein professionell organisierter Betrieb geworden. Die Tafel Schalksmühle und Halver hat eigene Fahrzeuge, Lagerflächen, Kühlräume und muss all das absichern: Versicherungen für Fahrzeuge, Ehrenamtliche, Kund:innen, Inventar – alles kostet Geld. Rund 60.000 Euro im Jahr werden benötigt, nur um den laufenden Betrieb zu sichern.
Finanziert wird das durch eine Mischung aus großen und vielen kleinen Spenden: Eine Firma unterstützt monatlich, Schulen organisieren Sponsorenläufe, Privatpersonen überweisen regelmäßig 10, 15 oder 20 Euro. Ohne diese Unterstützung könnte die Tafel ihre Arbeit nicht leisten.
Die Wunschbaumaktion: Weihnachtswünsche erfüllen
Besonders ans Herz geht die jährliche Wunschbaumaktion. Kinder aus Tafel-Familien dürfen sich ein Geschenk bis 25 Euro wünschen – oft sind es ganz einfache Dinge wie warme Kleidung, Schuhe, Schokolade oder ein kleines Spielzeug. Diese Wünsche landen anonymisiert auf einem digitalen Wunschbaum. Bürgerinnen und Bürger aus Halver und Schalksmühle können einen Wunsch auswählen, das entsprechende Geschenk besorgen und zur Tafel bringen. Kurz vor Weihnachten werden die Geschenke dann persönlich – natürlich vom Weihnachtsmann – übergeben.
So entsteht aus vielen kleinen Gesten ein großes Stück Gemeinschaft: Menschen, die sich nicht kennen, machen einander das Leben ein bisschen leichter.
Wenn du mit einer Geschenke-Spende die Wunschbaum-Aktion unterstützen möchtest, kannst du das bis zum 11. Dezember 2025 hier tun.
Wie du helfen kannst – in Halver und Schalksmühle
Die Folge vom Grünfunk Halver macht klar: Die Tafel Schalksmühle und Halver ist für viele Menschen ein Rettungsanker. Damit das so bleibt, braucht es Unterstützung – und zwar auf unterschiedlichen Ebenen:
- Geldspenden, damit laufende Kosten gedeckt werden können.
- Haltbare Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Konserven oder Hygieneartikel, die im Gegensatz zu Obst und Gemüse nicht immer ausreichend von Supermärkten kommen.
- Zeitspenden: Besonders in Halver werden Helfer:innen gebraucht, die beim Sortieren, Packen und Verteilen unterstützen.
- Politische Unterstützung: Größere und langfristig gesicherte Räume, vor allem in Halver, würden die Arbeit deutlich erleichtern.
Hinhören statt wegsehen
Die Geschichten aus dem Podcast zeigen: Armut ist oft unsichtbar – auch bei uns vor Ort. Und sie hat viele Gesichter: die Rentnerin mit kleiner Rente, die Familie mit vier Kindern, die Alleinerziehende nach einer Trennung. Die Tafel Schalksmühle und Halver hilft dabei, dass der Kühlschrank nicht leer bleibt – und dass Menschen sich gesehen fühlen.
Wer die ganze Geschichte hören möchte, hört am besten direkt in die aktuelle Grünfunk-Folge rein. Dort berichten Astrid und Lea ausführlich von ihrem Alltag, von bewegenden Momenten und davon, wie sehr kleine Gesten den Unterschied machen können.

Versteckte Armut, gerettete Lebensmittel & berührende Geschichten aus dem Tafel-Alltag
In dieser Folge Grünfunk Halver sprechen Martin und René mit Astrid und Lea Lehmann von der Tafel Schalksmühle und Halver. Es geht um versteckte Armut vor Ort, gerettete Lebensmittel, berührende Geschichten aus dem Tafel-Alltag und die Frage, was es braucht, damit diese wichtige Arbeit weitergehen kann. Außerdem erfährst du, wie du mit Spenden, Ehrenamt oder der Wunschbaumaktion ganz konkret helfen kannst.


