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Umwelt

Baumschutz ignoriert? Neue Verstöße gegen DIN-Vorgaben in Halver

Baumaterialien und Container unter geschwächten Bäumen – das ist kein Kavaliersdelikt. Wir zeigen dir, welche Regeln es gibt, warum die WHS hier in der Kritik steht und warum wir als Grüne genau hinschauen.

Erneut mussten wir auf der WHS-Baustelle an der Ponywiese in Halver beobachten, wie Baumaterialien und sogar Toilettencontainer direkt unter zwei bereits stark geschwächten Bäumen abgestellt wurden. Für uns als Bündnis 90/Die Grünen ist das nicht nur ärgerlich, sondern ein klarer Verstoß gegen geltende Regeln. Wir wollen dir zeigen, warum das keine grüne Spinnerei ist, sondern handfeste Vorschriften betrifft.

Erneute Belastung für das Stadtgrün

Die Situation vor Ort ist eindeutig dokumentiert. Trotz bestehender Vorschriften wurden erneut Lasten im Wurzelbereich der Bäume platziert. Das Gewicht der jetzt abgestellten Dämmplatten ist zwar nicht mit den vorherigen Sandhaufen, Abraumcontainern und Putzsilos (bis zu 15 Tonnen schwer) zu vergleichen. Dennoch ist es ein erneuter Regelverstoß. Sina Löschke von unserem Ortsverband beschreibt die Beobachtung so: „Wir haben vor Wochen schon das Gespräch mit der WHS-Geschäftsführung gesucht und auf die Baumschutzproblematik aufmerksam gemacht.“  Es handelt sich bei dem Bauvorhaben um ein Projekt der Wohnungsgesellschaft Halver Schalksmühle (WHS). Dass ausgerechnet hier, wo es um Wohnraum und Lebensqualität geht, der bestehende Baumbestand so behandelt wird, finden wir unverständlich.

Bäume im städtischen Raum sind keine Dekoration. Sie kühlen unsere Straßen, filtern Staub und tragen maßgeblich zu einem lebenswerten Halver bei. Wenn diese Bäume geschwächt sind, beispielsweise durch einen Hitze- und Dürresommer oder wie in diesem Fall durch einen massiven Beschnitt und Bauarbeiten im Wurzelbereich, brauchen sie besonders viel Rücksicht. Stattdessen werden sie durch die Lasten der Baustelleneinrichtung zusätzlichem Stress ausgesetzt. Das ist unnötig und vermeidbar.

Skizze mit Baum, Bagger, Erdhaufen
Was nicht geht? Ist klar in der DIN geregelt.

Es gibt klare Regeln für den Baumschutz

Oft wird der Eindruck erweckt, Forderungen zum Baumschutz seien reine Verhandlungssache oder ökologische Liebhaberei. Das ist falsch. Es gibt technische Normen, die den Schutz von Bäumen bei Baumaßnahmen regeln. Eine zentrale Rolle spielt hier die DIN 18 920. Diese Norm gilt für die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen im Siedlungsbereich und dient dem Schutz von zu erhaltenden Einzelbäumen.

Der Grund ist einfach: Der ökologische, klimatische und ästhetische Wert bestehender Pflanzen kann durch Ersatz im Regelfall nicht oder erst nach Jahren erreicht werden. Die Norm benennt konkrete Schadensursachen. Dazu gehört ausdrücklich die Bodenverdichtung durch das Abstellen von Maschinen, Fahrzeugen und Baustelleneinrichtungen sowie das Lagern von Baustoffen. Auch das Aufschütten von Sand oder das Befahren des Wurzelbereichs sind kritische Punkte.

„Die DIN-Vorschriften zum Schutz von öffentlichen Straßenbäumen bei Baumaßnahmen schreiben vor, dass keinerlei Lasten unter der Baumkrone abgelegt werden, kein Sand aufgeschüttet werden darf, keine schweren Baufahrzeuge geparkt werden dürfen“, zitiert Sina Löschke das DIN-Dokument. Diese Vorgaben sind bekannt. Dennoch werden sie auf der Baustelle wiederholt missachtet. Das zeigt eine Lücke zwischen Planung und Umsetzung.

Skizze mit Zaun um Baum
Ebenso beschreibt die DIN, wie unsere Stadtbäume bei Bauarbeiten ordnungsgemäß zu schützen sind.

Platzmangel ist eine Folge schlechter Planung

Warum passieren solche Verstöße? Die WHS argumentiert mit Platzmangel. Unsere Einschätzung dazu ist klar: Wenn auf einem Grundstück kein Platz für die notwendige Baustellenlogistik bleibt, dann war die Planung falsch.

Wer sein Grundstück zu 100 Prozent bebaut und keinerlei Platz für die dazu notwendigen Baumaßnahmen lässt, nimmt wissentlich in Kauf, dass die Baustelle quasi über das eigentliche Grundstück hinausgeht. Das Ergebnis ist, dass die Bäume leiden. Wir finden, dass Bauprojekte so geplant werden müssen, dass sie den Bestand schützen, statt ihm zu schaden.

Die DIN-Vorschriften zum Schutz von öffentlichen Straßenbäumen bei Baumaßnahmen schreiben vor, dass keinerlei Lasten unter der Baumkrone abgelegt werden, kein Sand aufgeschüttet werden darf, keine schweren Baufahrzeuge geparkt werden dürfen.

Sina Löschke Ko-Sprecherin Grüne Halver

Wir bleiben wachsam für Halver

Dieser Vorfall reiht sich ein in eine größere Diskussion um den Umgang mit unserem Stadtgrün. In unserem Baumpflanzkonzept für Halver haben wir bereits gefordert, dass bei der Bauplanung alle geltenden Rechtsvorschriften, insbesondere DIN-Normen, eingehalten werden müssen. Es braucht Kontrolle, ob die Auftragnehmer den Baumschutz umsetzen. Falls nein, muss der Schaden den Dienstleistenden in Rechnung gestellt werden.

Wir als Grüne in Halver sehen uns in der Pflicht, hier genau hinzuschauen. Politik hört nicht im Ratssaal auf. Ein lebenswertes Halver entsteht auch auf der Baustelle vor deiner Haustür. Wir dokumentieren solche Verstöße, sprechen sie an und fordern Nachbesserungen. Das ist keine Kontrolle aus Prinzip, sondern aus Sorge um unsere Umwelt und die Zukunft unserer Stadt.

Mach mit: Augen auf für die Bäume

Schutz von Bäumen geht uns alle an. Wenn du im Alltag beobachtest, dass bei Bauarbeiten Regeln missachtet werden oder Bäume unnötig gefährdet sind, dann melde dich gerne bei uns. Wir nehmen solche Hinweise ernst und prüfen, wie wir helfen können. Teile auch diesen Beitrag, um das Bewusstsein für den Baumschutz in unserer Gemeinschaft zu stärken. Gemeinsam können wir darauf achten, dass Halver grün und lebenswert bleibt.