Darum geht‘s:
Ein Windrad wächst in den Himmel – und das ist keine Kleinigkeit
Wer aktuell an Schöneberge in Halver vorbeifährt, sieht es sofort: Da entsteht etwas Großes. Wörtlich. Die neue Windkraftanlage vom Typ Enercon E-175 wird 162 Meter hoch sein und ab Sommer Strom für rund 7.000 Haushalte liefern [1]. Gleichzeitig schaust du kurz später an der Tankstelle auf die Preisanzeige – und staunst nicht schlecht. Die Spritpreise schießen gerade wieder durch die Decke. Zufall? Nein. Zusammenhang? Absolut.
162 Meter, 20 Millionen Kilowattstunden – die Zahlen sprechen für sich
Die Anlage, die das Unternehmen SL Naturenergie am Standort Schöneberge baut, ist kein kleines Projekt. Mit einer Nabenhöhe von 162 Metern und einem Hybridturm aus 33 Betonsegmenten und drei Stahlsektionen ist das eine echte Ingenieursleistung [1].
Bauleiter Salvador Villalpando beschreibt die Montage mit einem Augenzwinkern als „ein bisschen wie Lego bauen“. Klingt simpel. Ist es aber nicht – jedes Betonsegment wiegt rund 43 Tonnen. Das Fundament allein hat einen Durchmesser von 25 Metern.
Die Zahlen dahinter sind beeindruckend: Jährlich sollen rund 20 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Das entspricht einer CO₂-Einsparung von rund 14.300 Tonnen pro Jahr. Damit versorgt die Anlage rechnerisch etwa 7.000 Haushalte – und das unabhängig, vor Ort nur durch die Kraft des Windes.
Der Krieg im Nahen Osten – und was er mit unserem Alltag zu tun hat
Lass mich raten: Du hast diese Woche getankt und kurz geschluckt. Kein Wunder. Seit dem Ausbruch des Kriegs zwischen den USA, Israel und dem Iran explodieren die Energiepreise. Die Spritpreise explodierten in der letzten Woche nahezu. Die Preise für Super und Diesel überschritten an vielen Tankstellen die 2-Euro-Marke [6].
Der Grund: Der Iran blockiert die Straße von Hormus – eine Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öls fließt [5]. Rund 300 Öltanker stecken dort fest [6]. Gleichzeitig erklärte Katar, einer der weltgrößten Flüssiggasexporteure, höhere Gewalt für seine Gaslieferungen. Der Gashandelspreis in Amsterdam stieg innerhalb weniger Tage um fast 60 Prozent [6].
Das ist nicht das erste Mal. 2022 lernten wir es mit dem Ukraine-Krieg. Jetzt wieder. Wer Energie aus fossilen Quellen importiert, ist immer abhängig – von Kriegen, von Krisen, von Regierungen in Ländern, auf die wir keinen Einfluss haben.

Windkraft in Halver ist echte Versorgungssicherheit
Das Windrad in Halver dreht sich nicht wegen eines Konflikts schneller oder langsamer. Es dreht sich, weil der Wind weht. Und der schickt uns – anders als Öl oder Gas – tatsächlich keine Rechnung.
SL Naturenergie betreibt bereits rund 180 Wind- und Solaranlagen an mehr als 35 Standorten und erzeugt damit jährlich etwa 800 Millionen Kilowattstunden Strom [1]. Der nächste Standort in der Nachbarschaft ist Hagen-Hohenlimburg. Das zeigt: Das ist kein Einzelprojekt, das ist Teil einer echten regionalen Energiestruktur.
Genau das ist der Punkt. Lokale Windkraftanlage bedeutet lokale Wertschöpfung, lokale Versorgungssicherheit und lokale Unabhängigkeit. Wenn in Halver der Wind weht, produziert Halver grünen Strom. Punkt.
Wirtschaftsministerin Reiche und die Frage, die sich aufdrängt
Und dann ist da noch die Bundespolitik. Seit Mai 2025 ist Katherina Reiche Bundeswirtschafts- und Energieministerin im Kabinett Merz [2]. Davor war sie Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG, einer E.ON-Tochter und einer der größten Gasnetzbetreiber Deutschlands [3]. Und davor Hauptgeschäftsführerin beim VKU, einem Lobbyverband, dessen Mitglieder stark im Gasgeschäft tätig sind [2].
Die „Drehtür“ zwischen Gaskonzern und Ministerium rotierte reibungslos – das kritisieren Organisationen wie LobbyControl offen [3]. Und Reiches erste energiepolitischen Schritte passen ins Bild: Sie will Gaskraftwerke mit einer Kapazität von mindestens 20 Gigawatt neu bauen – Kraftwerke, die nicht einmal auf Wasserstoff umrüstbar sein müssen [4]. Gleichzeitig enthielt ein erster Entwurf zur Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes die Streichung der Einspeisevergütung für kleine Photovoltaikanlagen [3].
Kritiker stellen fest, dass Reiches energiepolitischer 10-Punkte-Plan inhaltlich fast wortgleich mit Papieren der Konzerne E.ON und RWE war – also ihrer früheren Arbeitgeber [4]. Ist das Politik für die Menschen? Das ist zumindest eine Frage, die man stellen darf.
Was bedeutet das konkret? Ein weiterer Ausbau der Gasabhängigkeit macht Deutschland anfälliger für genau solche Krisen, wie wir sie gerade erleben. Höhere Gaspreise, höhere Strompreise, höhere Inflation – das spüren am Ende die Menschen an der Zapfsäule, beim Heizen und beim Einkaufen [6].
Was Halver gerade richtig macht
Das Kraftwerk in Halver ist ein konkretes Zeichen in die andere Richtung. Kein abstraktes Klimaversprechen, sondern ein Windrad, das sich dreht. Strom für 7.000 Haushalte. 14.300 Tonnen CO₂ weniger pro Jahr. Und eine Anlage, die nicht von der Straße von Hormus abhängig ist.
Die Grünen in Halver stehen für genau diesen Kurs: Erneuerbare Energien stärken, fossile Abhängigkeiten abbauen, lokale Strukturen aufbauen. Das Windrad bei Schöneberge ist ein gutes Beispiel dafür, was möglich ist – wenn man es zulässt und fördert statt ausbremst.
Strom von hier statt Öl von dort
Das Windrad dreht sich bald. Ab Sommer versorgt es Halver mit sauberem Strom – egal, was gerade in der Straße von Hormus passiert. Das ist Energiesicherheit, die alle spüren können.
Wir als Grüne in Halver werden weiter für den Ausbau der erneuerbaren Energien eintreten. Denn die Antwort auf Preis-Schocks an der Zapfsäule und auf Gaslobbyismus in Berlin heißt nicht: mehr Gas. Sie heißt: mehr Wind, mehr Sonne, mehr Unabhängigkeit.
Quellen:
[1] https://lokaldirekt.de/news/162-meter-windrad-nimmt-ab-sommer-fahrt-auf
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Katherina_Reiche
[5] https://www.adac.de/news/spritpreise-steigen-durch-krieg-in-nahost/
[6] https://de.euronews.com/2026/03/03/gas-sprit-lebensmittel-iran-krieg-deutschland-preis-schock
