Schweinezucht Halver: Wer laut wird, bewegt was

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Im Herbst 2025 schockierten Bilder aus einem Schweinezuchtbetrieb in Halver-Hohenplanken die ganze Region. Tote Ferkel, verletzte Tiere, katastrophale Hygiene. Wir haben das nicht einfach hingenommen – wir haben nachgehakt. Und jetzt gibt es erste Ergebnisse, die zeigen: Es lohnt sich, den Mund aufzumachen.

Was damals bei der Schweinezucht Halver Hohenplanken los war

Oktober 2025. Die Tierrechtsorganisation ANINOVA veröffentlicht Aufnahmen aus einem Schweinezuchtbetrieb in Halver-Hohenplanken. Was auf den Bildern und Videos zu sehen ist, lässt sich kaum in Worte fassen: Schweine mit offenen, unbehandelten Wunden. Tote und verweste Ferkel direkt neben lebenden Tieren. Kastenstände so eng, dass sich die Tiere kaum hinlegen können. Maden an abgeschnittenen Schwänzen. Spinnweben, Gülle, bauliche Mängel, die zur Verletzungsgefahr werden.

Das Veterinäramt des Märkischen Kreises kontrollierte den Betrieb unmittelbar danach und bestätigte die Vorwürfe. Was dabei herauskam: Die Zustände waren dem Amt nicht neu. Mängel waren schon früher bekannt, Auflagen wurden erteilt, nachkontrolliert – und trotzdem hatte sich über Jahre nichts grundlegend geändert. [1]

Noch erschreckender: Das Qualitätssicherungssystem QS räumte auf Anfrage ein, dass der Betrieb bereits 2016 und 2023 bei Audits mit Abweichungen aufgefallen war. [2] Und laut unserem Podcast „Grünfunk Halver“, in dem wir Jan Pfeifer von ANINOVA zu Gast hatten, sind solche Zustände leider kein Einzelfall – rund 90 Prozent der von ANINOVA kontrollierten Betriebe sind Zufallsfunde, und fast immer findet sich etwas.

Kurz gesagt: Ein Betrieb mit langer Problemgeschichte, ein Kontrollsystem mit Lücken, und Tiere, die das alles mit ihrem Leid bezahlen.

Schweinezucht Halver – die Grünen decken auf
Das Foto zeigt ein totes und ein verletztes Ferkel in dem Schweinezuchtbetrieb in Halver-Hohenplanken. Foto: ANINOVA

Was wir als Grüne getan haben

Für uns war nach den Veröffentlichungen schnell klar: Wegsehen ist keine Option. Gemeinsam mit der Grünen Kreistagsfraktion im Märkischen Kreis haben wir eine offizielle Anfrage an Landrat Ralf Schwarzkopf gestellt. Wir wollten wissen: Wie oft wurde kontrolliert? Was wurde festgestellt? Warum wurde kein Tierhalteverbot ausgesprochen? Und wie ist das Veterinäramt überhaupt personell aufgestellt?

„Die Bilder sind entsetzlich – sie zeigen ein massives Versagen beim Tierschutz. Es ist unsere Pflicht, zu klären, wie es so weit kommen konnte und warum die bekannten Missstände nicht früher abgestellt wurden“, sagte Marjan Eggers, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, damals.

Auf der Kreistagssitzung im Dezember 2025 haben wir dann den Landrat offiziell gebeten, in der März-Sitzung 2026 über den aktuellen Sachstand zu berichten. Nicht als symbolisches Zeichen. Sondern weil wir konkrete Antworten wollten.

Was sich seitdem verändert hat

Und jetzt, im März 2026, liegt der Bericht vor. Das Ergebnis ist kein Grund zum Jubeln – aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Laut der offiziellen Mitteilung für die Kreistagssitzung am 19. März fanden seit November 2025 bereits drei Kontrollen statt: im November, Dezember und Februar. Der Tierbestand wurde in dieser Zeit deutlich reduziert. Neue oder wiederholte Verstöße gegen die im Oktober erlassene Ordnungsverfügung wurden nicht festgestellt.

Der Betrieb steht weiterhin unter der höchsten Risikostufe und wird bis auf weiteres alle drei bis vier Monate kontrolliert – statt wie bisher im Abstand von Jahren.

Ein Detail freut uns besonders: Das Kreisveterinäramt folgte unserem Vorschlag, sich die Kontrollberichte der betreuenden Tierarztpraxis vorlegen zu lassen. „Besonders freut uns, dass das Kreisveterinäramt unserem Vorschlag gefolgt ist, sich die Kontrollberichte der Tierarztpraxis vorlegen zu lassen, welche die Schweinezuchtanlage nach eigenen Angaben ein- bis zweimal pro Monat kontrolliert. Dadurch nimmt das Kreisveterinäramt auch die betreuende Praxis viel verbindlicher in Verantwortung und die Gefahr weiterer Verstöße sinkt“, erklärt Marjan Eggers.

Das klingt technisch. Ist aber wichtig. Denn bisher hat diese Praxis regelmäßig kontrolliert – und trotzdem sind die Zustände jahrelang so geblieben. Jetzt steht sie selbst stärker in der Pflicht.

Was noch fehlt

Klar ist aber auch: Nicht alles ist gut. In der Mitteilung des Landrates steht schwarz auf weiß, dass eine bessere Personalausstattung des Veterinäramts zu einer konsequenteren Verfolgung von Tierschutzverstößen führen würde. Das stimmt. Und es ist unbefriedigend.

„Auch wir würden uns eine bessere Ausstattung des Veterinäramtes wünschen, wissen jedoch auch, dass der aktuelle Haushalt weitere Investitionen in Personal nicht zulässt“, sagt Paolino Barone, Co-Vorsitzender der Fraktion.

Das ist ehrlich. Und es zeigt, wo das eigentliche Systemproblem liegt: Tierschutzkontrolle kostet Geld und Personal. Beides fehlt. Nicht nur im Märkischen Kreis – das ist ein bundesweites Problem, das wir in unserem Podcast mit ANINOVA ausführlich besprochen haben. In NRW wird ein Maststall im Durchschnitt alle zwanzig Jahre kontrolliert. Das muss sich ändern.

Es lohnt sich, laut zu sein

Dieser Fall zeigt etwas, das wir uns immer wieder in Erinnerung rufen sollten: Politisches Engagement wirkt. Nicht immer sofort, nicht immer vollständig. Aber es wirkt.

ANINOVA hat hingeguckt und dokumentiert. Die Medien haben berichtet. Wir haben nachgehakt und Druck gemacht. Und der Betrieb in Hohenplanken wird heute häufiger kontrolliert als je zuvor – mit einem Veterinäramt, das stärker in die Pflicht genommen wird.

Das ist kein Happy End. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dortmund laufen noch. Viele strukturelle Probleme in der Tierhaltung bleiben ungelöst. Aber es ist ein Beweis dafür, dass Hinschauen, Reden und Nachhaken einen Unterschied macht.

Quellen & Links

[1] Grüne Halver – Grüne fordern lückenlose Aufklärung (November 2025): https://www.gruene-halver.de/gruene-fordern-lueckenlose-aufklaerung-zu-tierschutzverstoessen-in-halver-hohenplanken/

[2] LokalDirekt – QS bestätigt Abweichungen 2016 und 2023: https://lokaldirekt.de/news/skandaloese-schweinezucht-qs-bestaetigt-protokollierte-abweichungen-in-den-jahren-2016-und-2023

[3] Anfragen und Anträge der Grünen Kreistagsfraktion: https://www.gruene-mk.de/thema/fraktion/anfragen-und-antraege/